BK Alsdorf
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Meldung

An Ariadnes Blütenband durch das Berufskolleg

- der Beratungs- und Informationstag 2018

Offenbar bestand auch in diesem Jahr wieder reges Interesse an den Beratungs- und Informationsangeboten, denn bereits bald nach der Öffnung kamen Eltern mit ihren Töchtern und Söhnen, um die Schule und hier tätigen Pädagogen kennenzulernen, sich eingehend die Ausbildungsmöglichkeiten erläutern zu lassen und sich auch an Hand der Unterrichtsmaterialien oder Leistungen der Schüler vom Niveau des hier Praktizierten zu überzeugen. Letztlich ist solch ein Beratungs- und Informationstag immer auch eine kleine Leistungsschau, gewissermaßen eine zu Besichtigung und Begutachtung weit geöffnete Schule. Deshalb war fast den gesamten Tag über der Andrang an den Beratungstischen im Forum groß, aber auch in den einzelnen Abteilungen, wo naturgemäß genauer und mit konkreten Hinweisen, Werkstücken oder auch Maschinen die Arbeit erläutert werden konnte.

In bewährter Weise hatten die Kollegen sich vorbereitet: Im Forum warteten die Vertreter der einzelnen Bildungsgänge mit Übersichtsplänen und Faltblättern auf die künftigen Schüler und ihre Eltern, die von Lotsen im Foyer hierhin oder zu weiteren Stationen geleitet werden konnten. Die Versorgung der Gäste – denn nicht nur das Lernen selbst, sondern bereits das Kennen-Lernen von Ausbildungsangeboten kann Appetit anregen, zumal wenn es sich um Bildungsgänge mit hauswirtschaftlichen Komponenten handelt – übernahmen wieder die Kollegen Michael Perlhefter und Thomas Klakow und hatten allerlei Duftendes wie Waffeln, dampfende Suppen oder delikate Kuchen sowie andere schmackhafte Schmankerl vorbereitet.

Derart gestärkt, wagte sich eine ganze Reihe von Besuchern auf den mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten bestückten Parcours durch Werkstätten und Unterrichtsräume. Da gab es die Laboraufbauten der Elektroniker, betreut von Heribert Reske und Michael Hahnen oder die Umweltschutztechnik mit ihren Versuchsanordnungen bei Gereon Meuser. Neben mehreren kompletten Autos verfügt die KFZ-Werkstatt von Guido Böddecker über zahlreiche Modelle oder Demonstrationsobjekte wie einen zu Anschauungszwecken „aufgeschnittenen“ Motor. In der Werkstatt für Elektrotechnik oder der für Metalltechnik der Kollegen Ludwig Fassbinder, Franz Josef Gossen oder Helmut Lenz konnte man bestaunen, wie, womit und was die Schüler an kleinen Übungsaufgaben bewältigt haben: Aus Eisen und anderen Metall-Teilen fertigten sie kleine LKWs, Hubschrauber, Duftöl-Verdampfer oder sogar eine kleine Lokomotive mit funktionierendem Gestänge an. Schüler der Berufsfachschule für Automatisierungstechnik führten SPS-Modelle vor, die Bernhard Schlösser gemeinsam mit ihnen entwickelt hatte. Ein Server-2008-Projekt oder Verkabelung und CISCO-Netzwerksimulation gab es nebenan bei den Informationstechnischen Assistenten zu bestaunen, betreut von Ulrich Bücken. Als „historisch“ gelten – unter Spezialisten wie Jörg Falken jedenfalls – bereits Computer der Jahre von 1989 – 1999, in diese jüngere Vorzeit konnte man sich an Hand von Geräten der Firma mit der wohlmundenden Baumfrucht im Logo versetzen lassen.    

Als eines der Highlights und heimlicher Publikumsmagnet erwies sich einmal mehr die Luftfahrt-Abteilung unter der Ägide von Norbert van Hall, Udo Imme und Thomas Wickert. Sie lockt die Gäste mit ihren Trieb- und Fahrwerken, Cockpits und einer kompletten Cessna im – mittlerweile überdachten – Außenbereich. Es handelt sich übrigens in dieser Form um ein für die Bundesrepublik einzigartiges  Ausbildungs­angebot in der Luftfahrtausbildung; dafür wird das Berufskolleg Alsdorf  eigens vom Luftfahrt-Bundesamt aus Braunschweig zertifiziert. Bei seiner Einführung wies Norbert van Hall darauf hin, dass in diesem Ausbildungsgang strengere Anwesenheitsregeln und Leistungskontrollen gelten als im normalen schulischen Betrieb – klar, wer möchte sein Leben schon einem Flieger anvertrauen, der nachlässig gewartet wurde. Als Lohn für drei Jahre intensiven Lernens dürfen die Schüler dann allerdings auch damit rechnen, dass sie ausgesprochen gute Berufsaussichten haben. Die Luftfahrtbranche befindet sich schließlich immer noch deutlich im Aufwind, fast alle Absolventen dieses Bildungsganges haben mittlerweile Karrieren in der von ihnen gewünschten Richtung starten können: sei es in Firmen, in denen sie während ihrer von der Schule vermittelten Praktika Kontakte knüpfen konnten, oder durch ein Studium dank ihrer hier erworbenen Fachhochschulreife. Wie mit anderen Betrieben in der Luftfahrt besteht auch mit dem Luftsportverein Aachen seit einiger Zeit ein Kooperationsabkommen, was dazu führte, dass der Fluglehrer Arnaud Hefter mit von der Partie war und eines der Vereins-eigenen Segelflugzeuge vorstellen konnte.

Als der Schulleiter Thomas Becker vor einer Reihe geladener Ehrengäste das vergangene Jahr Revue passieren ließ und bilanzierte, konnte er als Vertreter der Stadt Alsdorf den Stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Friedhelm Krämer, begrüßen, als Vertreter der StädteRegion Aachen Herrn Nico Kosanke (Leiter der Schulverwaltung) und Herrn Timur Bozkir (KI), die IHK Aachen war durch Herrn Gisbert Kurlfinke vertreten und für die Handwerkskammer Aachen war Herr Edgar Siemens zu Gast. Die Agentur für Arbeit hatte im Eingangsbereich einen eigenen Beratungsstand aufgebaut, als Vertreterin der AA war Frau Jutta Schmidt wie in den vergangenen Jahren anwesend. Bei seiner Ansprache konnte Thomas Becker auf respektable Leistungen unserer Schüler verweisen. So hat Aaron Simons nicht nur seine Gesellenprüfung im Metallbauhandwerk hervorragend als Innungsbester abgeschlossen, er hat auch anschließend im Leistungswettbewerb NRW den ersten Platz belegt. Den Bundeswettbewerb der Metallbauer hat er kürzlich mit einem sehr beachtlichen fünften Platz abgeschlossen. Ebenfalls erfolgreich ist Ali Ebrahimi, selbst ein Flüchtling, der sich hier perfekt integriert hat, seine Ausbildung als Flugtechniker absolviert und daneben Zeit findet, selbst anderen zu helfen, indem er Kindern und Jugendlichen aus aller Welt, Vertriebenen wie er, ehrenamtlich das Schwimmen beibringt. Für dieses Engagement wurde er jetzt vom WDR mit dem „Ehrwin des Monats“ gewürdigt.

Mittlerweile hat sich die Förderung von Schülern mit Fluchthintergrund zu einem wichtigen Anliegen unserer Schule entwickelt, seit Jahren von Detlef Hansmann betreut. In diesem Zusammenhang griff Herr Becker den Begriff „Resilienz“ auf und räumte ein, dass ihm die Forschung dazu bislang nicht geläufig war. Sie frage danach, wieso jemand trotz belastender Erfahrungen und Lebensumstände gesund, erfolgreich und widerstandsfähig sein Leben gestalten könne. Und als Ergebnis zeige sie, dass dazu vor allem das gute Schulklima und überzeugende Lehrer sowie pädagogisch reflektierte Konzepte beitragen könnten. Wichtig war ihm demzufolge die Rolle der kulturellen Angebote, die hier den Schülern regelmäßig gemacht werden: von Theaterbesuchen oder Exkursionen zu Museen und historischen Orten bis hin zu der eigens etablierten „Kulturschiene“, in der klassenübergreifend Kurse etwa zum Thema Akrobatik, Lyrik, Tanz, Theater, Literatur oder Musik angeboten werden. Durch das Erasmus+-Programm können die Schüler im Austausch mit Partnerschulen in Frankreich, Italien, Spanien oder Finnland den Blick weit über den regionalen Tellerrand richten lernen.

Im Rahmen der Förderungsprogramme zugunsten schwächerer Schüler hat das BK Alsdorf eine Verstärkung durch Frau Antje Kilian erfahren, die eine spezielle Fachberatungsstelle „Inklusion“ betreut. Um den Unterricht störende Konflikte möglichst schon früh und niederschwellig einzudämmen, praktizieren wir zusätzlich das Trainingsraum-Konzept, das Schülern die Gelegenheit gibt, ihr mögliches Fehlverhalten zu erkennen, zu reflektieren und zu verändern, bevor strengere schulische Maßnahmen ergriffen werden. Erfolgreich haben wir dank des Engagements von Gaby Thedt-Kalf Tageslernsituationen einführen können, die den Bedürfnissen gerade auch schwächerer Schüler entgegenkommen. Und als gelungenes Beispiel für erfolgreiche kulturelle Betätigung, die den Schülern Mut und Selbstvertrauen geben kann, führte die Gruppe unter der Leitung von Frau Julianna Karacsonyi abschließend einen Orientalischen Tanz auf.

Es war ein langer Tag, von dem alle Beteiligten wohl noch lange zehren werden. Zu verdanken haben wir ihn Dr. Michael Geerts, der ihn, wie auch in den letzten Jahren, wieder meisterlich organisiert hat – und diese Erfolgsserie damit zu einem schönen Höhepunkt führte. Nicht wenige Eltern blieben mit ihren Kindern bis zum Schluss der Veranstaltung im Haus, um möglichst viele der Bildungsangebote kennenzulernen. Geleitet wurden sie dabei auch auf ihrem Stations-Weg wie von einem Ariadnefaden durch eine Vielzahl origineller Blumenvasen aus Holz und Reagenzgläsern in apartem Design, die überall auf den Tischen und in den Gängen zu bewundern waren: ein Blütenband aus prächtigen Tulpen. Es handelte sich um ein weiteres Beispiel für die kulturellen Ambitionen dieses Berufskollegs. Hergestellt hat Klaus Sellung sie im Unterricht mit seinen Schülern.