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Praxis-taugliches Kommunikationstraining am Berufskolleg

Weil sie immer häufiger und auch von unterschiedlichen Seiten vernommen hatten, dass Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund vermehrt Probleme haben, sich verständlich auszudrücken, dass sie sich besonders in ungewohnten Situationen zunehmend unsicher fühlen, beschlossen einige Mitglieder des Sozialfonds des Rotary Clubs Aachen-Charlemagne, einmal den Versuch zu unternehmen, diesen Jugendlichen bei dem stets schwierigen Start in ein erfolgreiches Berufsleben unter die Arme zu greifen, indem sie ihnen einen Intensivkurs zur Sprachförderung mit aktiven Übungen zum Kommunikationstraining anbieten. 

So kam, nicht zuletzt durch persönliche Kontakte, ein bemerkens- und gewiss auch nachahmenswertes wie ebenso wiederholungswürdiges Pilotprojekt zustande. Es gelang den Mitgliedern des Rotary Clubs mit dem pensionierten Schulrat Josef Lemoineeinen engagierten Pädagogen zu gewinnen, der in seiner Freizeit bereit war, eine heterogene Gruppe von Schülern zu betreuen und deren schriftliche und mündliche Kompetenz im Umgang mit der deutschen Sprache zu fördern. Deutsche und Jugendliche mit Migrationshintergrund gehörten der Gruppe an, Mädchen und Jungen, der Intensivkurs sollte zusätzlich zum „normalen“ Schulalltag angeboten werden, sie stammten aus drei unterschiedlichen Ausbildungsbereichen, strebten Kenntnisse in Bildungsgängen der Ernährung, Pflege und Erziehung an. Kommunikationstraining etwa für Bewerbungsgespräche und aber auch Rechtschreibung standen dabei auf dem Programm. 

Hilfreich war sicher von Anfang an, dass es sich um eine überschaubar kleine Gruppe handelte: Zunächst wollten 12 Schüler an Angebot wahrnehmen, ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich 90 Minuten in ihre Sprachkompetenz zu investieren. Praktische Übungen sollten den Jugendlichen helfen, sich später erfolgreich bewerben zu können oder eigene Positionen überzeugend zu vertreten. Das gab ihnen erkennbar Selbstvertrauen, wird später beim Übergang von der Ausbildung zum alltäglichen Berufsleben oder auch bei einem künftigen Berufswechsel von Nutzen sein. Für derartige Lektionen war Josef Lemoine sicher ein idealer Partner, kann er doch auf jahrzehntelange Praxis in der Arbeit in verschiedenen Gremien zurückblicken. 

Viele junge Leute lassen sich leider heutzutage angesichts moderner technischer Errungenschaften und ihrer scheinbar praktischen Hilfsangebote wie Spracheingabe, Rechtschreibprogrammen, Kopierfunktionen und sonstigen Möglichkeiten dazu verleiten, nicht mehr zu Papier und Stift zu greifen, eigene Gedanken selbst zu formulieren und bemerken dabei nicht, dass ihre geistigen Fähigkeiten in dem Maß verkümmern, in dem sie sie nicht trainieren und erweitern. Diese beliebte Form von Arbeitsminimierung – um das hässliche Wort „Trägheit“ zu vermeiden und das noch hässlichere von der „Faulheit“ – führt dazu, dass Jugendliche hilflos reagieren, konfrontiert man sie mit ganz simplen Texten aus Zeitungen oder mutet ihnen gar die Lektüre eines Buchs zu. Eine fatale Mode ist die Neigung, sich in Kurz- und Kürzest-Nachrichten zu äußern – wer sich darauf beschränkt, zu twittern, verzichtet auf die Chancen, differenziert zu argumentieren.    

Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „funktionalem Analphabetismus“. Man kennt zwar die Buchstaben, kann Worte auch mit einiger Mühe dechiffrieren, ist aber aufgrund langfristiger Vermeidung schriftsprachlicher Eigenaktivität nicht in der Lage, diese eminent wichtige Kultur-Technik „Schriftsprache“ für sich im Leben effektiv zu nutzen, sei es im Beruf oder dem Rahmen alltäglicher Konflikte. Hilflos agieren solche Menschen allgemein auch in ungewohnten Situationen, reagieren am Ende gar aggressiv – eben weil sie sich sprachlich nicht zu behaupten vermögen. Es hat ja Gründe, warum über Jahrhunderte Besatzungsmächte aller Art, wollen sie ein Volk nachhaltig unterdrücken, Wert darauf legten, möglichst jede Art von Bildungseinrichtungen zu unterbinden. Oder, dass religiöse Sekten es bevorzugen, ihre heiligen Schriften nicht verständlich in der Sprache der Gläubigen zu präsentieren.      

Nicht ohne Grund waren die Schüler also stolz, bis zum Ende durchgehalten zu haben. Ihr Verhalten sprach Bände, strahlte neu gewonnenes Selbstbewusstsein aus, als ihnen Herr Josef Lemoine als pädagogischer Mentor sowie Frau Dr. Stefanie Meysen und Frau Ursula Verfuß-Eschweiler vom Rotary Club Aachen-Charlemagne im Beisein von Jürgen Weckler, dem stellvertretenden Leiter des Berufskollegs Alsdorf, Dr. Michael Geerts als Vorsitzender des Fördervereins, der im Hintergrund an der Zahlungsabwicklung beteiligt war und Vertretern des Kollegiums, die Zertifikate überreichten, die den Teilnehmern bescheinigen „weitreichende Kenntnisse und Fähigkeiten“ in Sachen Deutsch-Kenntnissen erworben zu haben.